Schimmelpilze

Wo entstehen Schimmelpilze?

Zunehmend gibt es in Häusern und Wohnungen Probleme mit Schimmelpilz- oder Bakterienbefall. Hauptursache ist eine überhöhte Feuchtigkeit in der Wohnung, die folgende Ursachen haben kann:

  • Bauliche Wasserschäden, z.B. defekte Rinnen, fehlender Spritzwasserschutz oder defekte Drainage
  • Fehlende oder mangelhafte Sperrschichten zum Erdreich
  • Falsche Wärmedämmung von Außenbauteilen
  • Wärmebrücken, z.B. am Fenstersturz, Balkonplatte aus Beton, ungedämmtes Fallrohr
  • Hohe Luftfeuchtigkeit im Innenraum durch Duschen, Kochen, Waschen, bei gleichzeitiger schlechter Lüftung
  • Feuchtigkeitsabsperrende Innenverkleidung, z.B. Lackanstriche oder Kunststofftapeten
  • Mangelhafte Bauaustrocknung im Neubau

 

Bei solchen Verhältnissen und im Zusammenhang mit Wärme wird das Wachstum von Mikroorganismen stark gefördert. Dabei werden chemische Substanzen produziert und freigesetzt, die einen charakteristischen, moderigen Geruch, verursachen. Weitere Schäden und Nachwirkungen sind z.B. Fäule, sichtbarer und unsichtbarer mikrobieller Bewuchs, chemische Reaktionen des Baumaterials, Verfärbungen und rein mechanische Bauschäden.

Achtung: Schimmelpilze finden häufig auch in Klimaanlagen ideale Wachstumsbedingungen vor und können dadurch die Raumluft stark belasten.

Häufige Schimmelpilzspecies sind: Penicillium, Aspergillus, Cladosporium, Fusarium, Alternaria, Mucor und Rhizopus.

 

Wie wirken sie auf den Menschen?

Mikrobielle Schäden in der Wohnung können auf verschiedene Weise für den Menschen gesundheitsschädlich wirken:

  • Pilzsporen und luftgetragene Keime können Erreger von Pilzerkrankungen (Mykosen) sein. Mykosen durch Schimmelpilze wurden bisher allerdings nur bei immungeschwächten Personen beobachtet.
  • Schimmelpilzbestandteile in Form bestimmter Eiweißkomplexe können allergische Reaktionen (z.B. Rhinitis, Asthma bronchiale, Alveolitis) auslösen.
  • Mykotoxine (z.B. Aflatoxine, Anthrachinone) sind höchstwahrscheinlich Verursacher von unspezifischen gesundheitlichen Problemen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schleimhautreizungen und erhöhte Infektanfälligkeit.
  • Mikrobiologisch produzierte organische Verbindungen (MVOC) verursachen aufgrund ihres moderigen Geruchs ein schlechtes Raumklima. Deren Wirkung auf den menschlichen Organismus ist noch nicht eindeutig geklärt. Sie stehen im Verdacht, unspezifische Störungen, wie Schleimhautreizungen und Kopfschmerzen hervorzurufen. Das akute Gefährdungspotential eines mikrobiellen Befalls hängt auch stark von den vorhandenen Pilz- und Bakterienarten ab.

 

Wie werden Mikroorganismen gemessen?

Innenraummessungen setzen sich in der Regel aus der Probenahme vor Ort und der anschließenden Analyse bzw. Detektion im Labor zusammen. Aus den Untersuchungsergebnissen und Feuchtemessungen wird der Umfang des Schadens ermittelt und die Gefährdungsabschätzung vorgenommen.

 

 

1. Messung von Schimmelpilzsporen und luftgetragenen Keime in der Raumluft:

Mit einem speziellen Filter wird vor Ort eine Raumluftprobe gezogen und im Labor über kulturelle Nachweisverfahren auf verschiedenen Nährböden analysiert. Erfasst werden mit diesem Verfahren lebende Pilzsporen und Keime in der Raumluft, die für die Bewertung in keimbildende Einheiten pro Kubikmeter (KBE/m3) angegeben werden. Darüber hinaus werden Aufschlüsse über die vorhandenen Pilzarten erhalten. Für die Bewertung des Ergebnisses muss zusätzlich die Außenluftbelastung bekannt sein oder gemessen werden. Nach unseren Erfahrungen eignet sich dieses Verfahren nur begrenzt für eine optimale Gefährdungsabschätzung. Zum einen erfolgt der Sporenflug nicht kontinuierlich, wodurch die Festlegung des Zeitpunktes und der Dauer der Probenahme schwierig ist, und zum anderen werden abgestorbene Mikroorganismen und Bestandteile nicht erfasst, obwohl sie auch zu gesundheitlichen Beschwerden führen können. Durch Anfärbung der Proben mit einem speziellem Fluoreszenzfarbstoff lässt sich der Anteil an abgestorbenen Bestandteilen bestimmen und in die Beurteilung mit einbeziehen.

 

2. Messung des mikrobiellen Befalls im Material

Liegt ein offener, deutlich erkennbarer mikrobieller Schaden vor, kann in der Regel auf die Analyse einer Luftprobe verzichtet und für die Gefährdungsabschätzung die Belastung des betroffenen Materials herangezogen werden. Dazu werden vor Ort Materialproben gezogen und im Labor analysiert. Neben der Sichtprüfung unter dem Mikroskop kommen kulturelle Nachweisverfahren (Anzüchtung von Mikroorganismen auf verschiedenen Nährböden und bei unterschiedlichen Temperaturen) und verschiedene Färbungen der Mikroorganismen zum Einsatz, um die Schimmelpilz- und Bakterienarten und Stärke des Befalls zu bestimmen.

 

3.Messung von mikrobiologisch produzierten organischen Verbindungen (MVOC)

Eine neue, aber zunehmend wichtigere Methode bei der Suche nach verdeckten, d.h. nicht sichtbaren, mikrobiellen Schäden ist die Messung von MVOC in der Raumluft. Bei den Substanzen handelt es sich um flüchtige Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze und Bakterien, die an die Raumluft abgegeben werden. Z.Zt. sind 33 verschiedene MVOC bekannt, darunter Geosmin (Erdkellergeruch), 1-Okten-3-ol (Pfifferlinggeruch) und 3- Methylfuran. Für die Messung wird vor Ort eine aktive Luftprobe über Aktivkohle gezogen, an der durch Adsorption die MVOC´S angereichert werden. Im Labor werden die Substanzen desorbiert und mittels Gaschromatographie und Massenspektrometer analysiert. Über die Zusammensetzung des Ergebnisses kann abschätzt werden, ob ein Schaden vorhanden ist. In Zukunft wird es auch möglich sein, Rückschlüsse auf die Art des befallenen Materials zu erhalten, um so die Schadensquelle leichter aufspüren zu können.



Wie werden Schimmelpilze und Bakterien beurteilt?

Ein besonders hohes Gefährdungspotential geht nach unserer Kenntnis von den Schimmelpilzarten Aspergillus fumigatus, Chaetonium, Paecilomyces, Stachybotrys und Wallemia und bei den Bakterien von Streptomyces aus. Werden diese Mikroorganismen nachgewiesen, muß auch bei der Sanierung besonders vorsichtig und sorgfältig vorgegangen werden. Schimmelpilze sind seit langem als Allergene bekannt, aber es existieren fast keine wissenschaftlich begründeten humantoxikologischen Werte.

 

Grundsätzlich sind bei den vorstehenden Untersuchungsmethoden Bewertungsmaßstäbe sinnvoll, die eine erhöhte oder stark erhöhte Belastung anzeigen und dann mit ausreichender Erfahrung die Möglichkeiten einer Gesundheitsgefahr belegen lassen. Wie auch bei der Bewertung von chemischen Belastungen häufig praktiziert, ist es bei fehlenden Grenz- oder Richtwerten allemal richtig, erhöhte Belastungen im Zusammenhang mit einer "möglichen" Gesundheitsgefahr zu sehen und Abhilfemaßnahmen zu empfehlen.

 

Wie kann eine Sanierung durchgeführt werden?

Liegen die Ursachen für erhöhte mikrobielle Belastungen in einem Feuchteschaden, hilft langfristig nur eine bauliche Verbesserung. Nach der Sanierung von defekten Materialien, der Einbringung von Sperrschichten oder der Veränderung des Taupunktes ist eine vollständige Trockenlegung und teilweise auch eine Entfernung belasteter Materialien erforderlich. Ist eine Schimmelpilzbelastung durch falsches Lüftungsverhalten entstanden, muß nach der Entfernung belasteter Materialien (z.B. Tapeten) der Untergrund evtl. behandelt und neu aufgebaut werden.

Der Einsatz von chemischen Stoffen (Fungizide) zur Pilztötung scheint oftmals unabwendbar. Aus unserer Sicht bestehen aber erhebliche Bedenken, da Fungizide auch auf den Menschen gesundheitschädlich wirken können. Zudem führen fungizide Mittel oft nur vorübergehend zur Beseitigung des Pilzschadens und können eine Neubesiedelung bei fehlenden technischen Maßnahmen (Austrocknung) nicht verhindert. Im Notfall sollten unter Beachtung aller Sicherheitsregeln und sonstiger Produkthinweise aufgrund der hohen Wirksamkeit Alkohole oder quartäre Ammoniumverbindungen eingesetzt werden. Zur schnellen Abhilfe ist auch Essigwasser oder Essigreiniger zu empfehlen.